
Mailand /Turin Er gilt als Urmaß für alle Alfa der Moderne und dennoch ist der in 30 Karosserien gebaute Typ 1900 ein wenig in Vergessenheit geraten. Das Publikum war begeistert und orderte weit mehr Alfa 1900 als die aus den USA bezogene Fließbandanlage im alten Alfa-Werk Portello liefern konnte. Gerade einmal 21 300 Autos wurden in neun Jahren gefertigt und davon viele noch fast in reiner Handarbeit.
Feinschliff für Karosserie
Denn zum weltweit bewunderten automobilen Diamanten avancierte der Alfa 1900 erst durch den Feinschliff von zwölf Karossiers, die den kräftigen Vierzylinder als Coupé, Cabrio, Kombi, Spider, staatstragende Stretch-Limousine oder fantastisch anmutende Aerodynamikstudien B.A.T. einkleideten.
Weg von der reinen Luxuslehre, hinein in ein frisches Marktsegment, davon kündete auch die Kühlerfront der 1900 Berlina mit den beiden völlig neu gestalteten Baffi, die gemeinsam mit dem großen Herz das Alfa-Gesicht prägten. Eine Front, die noch heute Giulia oder Stelvio auf den ersten Blick als Alfa Romeo ausweist. Auch 1950 genossen die Grundzüge des Alfa-Gesichts bereits Bekanntheit, dafür hatte das vorausgehende Luxusmodell 6C gesorgt. Aber eben noch nicht in flacher, langgestreckter Pontonform mit integrierten Kotflügeln, wie sie nun der Alfa 1900 zur Schau stellte.
Der Alfa 1900 fand in Form eines Vierzylinder-Sportcoupés in Deutschland 1954 für damals unfassbare 31 500 Mark genügend Käufer. Zur Einordnung: Für diesen Kurs gab es gleich drei Porsche 356 und sogar der legendäre Flügeltürer-Supersportler Mercedes 300 SL kostete rund 2000 Mark weniger. Auch die zu Tarifen ab knapp 16 000 Mark offerierte Alfa 1900 Limousine leisteten sich nur Deutsche, die sich alternativ einen doppelt so starken BMW 3200 V8 hätten in die Garage stellen können.
War weniger Motor am Ende vielleicht mehr wert und war teurer sogar besser? Was machte die Magie des Alfa Romeo 1900 aus, der in den USA als „family car, that wins the races“ beworben wurde, weil er nicht länger nur Hollywoods Schöne und Reiche begeistern sollte? Tatsächlich konnte der zwischen 80 und 115 PS kräftige, hochmoderne Motor mit zwei obenliegenden Nockenwellen einen betörenden und die Sinne berührenden Sound entfalten.
Siege auf Rennstrecken
Vor allem aber sammelten die Alfa Coupés und Limousinen mit formidablem Fahrwerk dank innovativer Schraubenfedern vorn wie hinten im Kurvenkampf auf Rennkursen Siege in Serie. Zudem genügte die Höchstgeschwindigkeit – je nach Motorisierung und Karosserieform zwischen 150 und 195 km/h – sogar auf Autostrada und Autobahn für die damals populären und gerne mit Hupe und Lichtsignalen ausgetragenen Pole-Position-Duelle, etwa zwischen Alfa, Jaguar und Porsche.
August 22, 2020 at 10:04AM
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1900 Berlina Von Alfa Romeo: Mit Vollgas und Vielfalt in die Moderne - Nordwest-Zeitung
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Alfa Romeo
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